Abschlussarbeit von Ingo Buchmann

im Diplom-Studiengang Geoinformatik und Vermessung 

Thema: Dokumentation und Visualisierung archäologischer Fundstellen im Jemen

Betreuer: Prof. Dr.-Ing. Hartmut Müller

Partner: i3 Mainz - Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik

Bearbeitungs-Zeitraum: 15. Februar 2008 bis 15. August 2008

 

 


 Ausgangslage / Problemstellung

Das Himyarische Reich (110 v. Chr. – 525/630 n. Chr.) mit ihrer Hauptstadt Zafar war einst das mächtigste Königreich Südarabiens. Seit dem Untergang dieses Reiches sind nur noch wenige gut erhaltene himyarische Anlagen vorhanden.

Um den Aufbau der alten Hauptstadt sowie die Geschichte und Kultur der Himyaren besser verstehen zu können, finden seit 1998 jährliche Forschungsprojekte in Zafar statt. Die Vermessung der archäologisch interessanten Flächen liefert dabei unverzichtbare Grundlagen für die Vorbereitung und Dokumentation des archäologischen Arbeitsprozesses.

In dieser Kampagne wurde auf der Grabungsfläche in Zafar eine lebensgroße Relieffigur in der östlichen Innenwand des ausgegrabenen so genannten Steingebäudes freigelegt. Die drei bisher vorgefundenen Wände wurden für die Dokumentation tachymetrisch und fotografisch aufgenommen.

Abbildung der Reliefmauer

Das Hauptaugenmerk dieser Kampagne lag jedoch in der Dokumentation der antiken Bewässerungsanlage Magil al-Shabani. Die hoch entwickelten Bewässerungsanlagen waren im himyarischen Zeitraum ein Grund für die damalige Machtstellung des Reiches.


Zielsetzung 

Ziele während des neunwöchigen Aufenthaltes im Jemen waren

  • die Erfassung der antiken Bewässerungsanlage Magil al-Shabani und
  • die Dokumentation von Befunden innerhalb der Grabungsfläche
  • einschließlich deren Kartierung.

In Deutschland wurden aufgrund der hochwertigen aufgenommenen Daten weitere bzw. andere Ziele definiert:

  • Erstellung von 3D-Modellen und Animationen der Grabungsfläche und der Bewässerungsanlage Magil al-Shabani.
  • Geometrische Korrektur der drei Wandaufnahmen.

Ergebnisse der Arbeit

Die erstellten Karten der Grabungsfläche und der antiken Bewässerungsanlage Magil al-Shabani liefern unverzichtbare Grundlagen für

  • die Beschreibung des vorhandenen Zustands der archäologisch interessanten Flächen,
  • die Planung der feldarchäologischen Arbeiten und schließlich
  • die Dokumentation der geometrischen Form und Lage.

Die 3D-Visualisierung der beiden Flächen erfolgte mit AutoCAD Civil 3D. Mit diesem Programm wurde die Generierung der Grabungsfläche und des Magil al-Shabani, die Erstellung von 3D-Flächen, die Oberflächentexturierung und Erstellung von Animationen durchgeführt. Die 3D-Visualisierung soll zum einen Ergebnisse präsentieren und damit das Verständnis und die Kommunikation über die Daten und die zugrunde liegenden Modelle und Konzepte erleichtern. Zum anderen soll sie die Analyse der Daten unterstützen, indem die Bilder so aufgebaut werden, dass der Betrachter in der Lage ist, nicht nur zu sehen, sondern auch zu erkennen, zu verstehen und zu bewerten.

 visuelle Darstellung der Grabungsfläche

Eine Animation der antiken Bewässerungsanlage Magil al-Shabani, in der der Betrachter virtuell durch die Anlage geführt wird, kann hier angesehen werden.



Die Messbilder der photografischen Aufnahme der Reliefwände sind aufgrund ihrer Zentralprojektion als metrische Vorlage ungeeignet, da abgegriffene Längen, Winkel und Flächen stark verfälscht werden. Diese Bilder wurden anhand der gemessenen Passpunkte entzerrt und georeferenziert. Aus den Bildern können alle beliebigen Punkte abdigitalisiert und so alle Koordinaten bestimmt werden. Jede Wand kann in beliebiger Form und Gestaltung graphisch konstruiert werden.